Welthöhle - Projekt CHARMION


Josella Simone Playton


Inhaltsangabe


'Welthöhle - Projekt CHARMION' steht im Handlungsfolgekontext des Romans 'Welthöhle - Die Granitbeißerinnen', ist aber für sich allein verständlich. Eine vorherige Lektüre des ersten Romanes ist nicht unbedingt nötig.


Buch 1: Pilger zur Welthöhle


Etwa zwei Jahre nach den Ereignissen, die in 'Die Granitbeißerinnen' beschrieben worden sind, tauchen bei dem Erzähler der Handlung Beamte der Behörden der EG auf. Ihm wird eröffnet, daß man den Verdacht hat, daß es sich bei den in den 'Granitbeißerinnen' beschriebenen Dingen nicht um Fiktion handelt, sondern um eine wirkliche Reisebeschreibung. Es wurden deshalb Ermittlungen angestellt, um herauszufinden, wer sich wirklich hinter dem Pseudonym verbirgt.

Der eigentliche Hintergrund dieser Ermittlungen ist, daß die Behörden der EG die Resourcen der Welthöhle, wenn sie denn tatsächlich existieren sollte, für die Völker der EG erschließen möchten. Dieses ist wegen der schwierigen wirtschaftlichen Lage der EG angeblich unbedingt notwendig.

Der Erzähler und seine Frau werden unter Druck gesetzt, bis sie die Realität der Erzählung zugeben. Dann erfährt der Erzähler, welches Vorgehen geplant worden ist:

Da aus der Beschreibung des Romanes heraus der Zugang zur Welthöhle über das Höllentalplatt an der Zugspitze nicht gefunden werden konnte (das wurde bereits versucht), erscheint der Versuch, den anderen Zugang im Loch Ness, über den der Erzähler und seine Frau die Welthöhle verlassen haben, zu finden, erfolgversprechender. Der Erzähler soll an einer Expedition, die sich bereits in Vorbereitung befindet, teilnehmen.

Um die Kooperation des Erzählers zu erzwingen und sein Willen zur Rückkehr zu gewährleisten, soll seine Frau sich dieser Expedition diesmal nicht anschließen.

Geplant ist die Verwendung eines modernen, neuentwickelten U-Bootes, das wegen des Abflauens der Ost-West-Konfrontation keine militärische Verwendung mehr finden kann. Es soll in geeigneter Weise modifiziert und zum Loch Ness gebracht werden. In einem ersten Arbeitsgang sollen die Höhlen um den Wippstein herum durch seismische Messungen gefunden werden. Die weitere Planung läuft darauf hinaus, Vorbereitungen für die Konstruktion und den Bau eines Einganges zu den Wippsteinhöhlen auf dem Seeboden zu treffen.

Da noch nicht alle Personalentscheidungen getroffen worden sind, gelingt es dem Erzähler, einige seiner ehemaligen Kollegen, mit denen er seinerzeit gemeinsam an einem Compiler-Projekt gearbeitet hat, in dieses Projekt mit einzubinden. Das hat seinen Grund darin, daß dieses U-Boot von seiner Besatzung beträchtliche EDV-Kenntnisse verlangt, insbesondere auch im Hinblick darauf, daß es noch nicht völlig möglich war, die auf militärische Aufgaben ausgerichtete Einrichtung des Bootes und gerade auch seiner Computer vollständig den neuen, zivilen Aufgaben anzupassen.

Die ehemaligen Kollegen des Erzählers werden genau wie dieser zwangsverpflichtet. (In diesem Kontext erfährt der Leser etwas über die sich in der EG in letzter Zeit entwickelnden totalitären Tendenzen - eine Erscheinung, die in einem politischen Gebilde ohne äußere Opposition und ohne vollständig demokratische Legitimation immer zu erwarten ist.)

Für sich selbst stellt der Erzähler Überlegungen an, eventuell die Expedition zu einem Mißerfolg zu führen, um die Entdeckung der Welthöhle durch die 'zivilisierte Menschheit' und eine Wiederholung der Kolonialgeschichte weiterhin zu verhindern. Konkret sind diese Pläne jedoch noch nicht.

In der Zeit zwischen April 1998 und Ende desselben Jahres findet die Vorbereitung der für dieses Projekt vorgesehenen wissenschaftlichen Mitarbeiter in München statt.

In dieser Vorbereitungsphase des Projektes gibt es Änderungen in der Vorgehensweise. Sowohl technisch als auch administrativ zeigt es sich, daß das Einbringen des U-Bootes in das Loch Ness nicht möglich ist. Da aber zeitgleich durch sehr genaue geologische Untersuchungen in Nordwest-Schottland Ketten von Höhlen bescheidener Größe gefunden worden sind, die sich in Tiefen von bis zu einigen tausend Metern unter dem Ross and Cromarty District und dem Meeresarm zwischen Schottland und den äußeren Hebriden befinden, wird die Vorgehensweise dahingehend modifiziert, daß der Ausgangspunkt des Unternehmens die kleine Hafenstadt Ullapool in Nordwestschottland sein soll.

Ende 1998 wird das umgerüstete U-Boot, die CHARMION, von Greenock nach Ullapool überführt, Anfang 1999 treffen die wissenschaftlichen Mitarbeiter des Projektes wie auch der Erzähler und seine Frau dort ein.

Noch vor Beginn der Expedition gelingt es einer Kollegin des Erzählers, aus einem der Bordrechner eine bis dato auch den Expeditionsmitgliedern geheimgehaltene Expeditionszielsetzung zu erfahren: Offenbar ist ein Mitglied der Besatzung beauftragt, in der Biosphäre der Welthöhle nach potenten Krankheitserregern zu fahnden, mit denen 'demographische Korrekturen' in der Dritten Welt vorgenommen werden sollen. Der Erzähler und diese Kollegin wissen nun, daß sie in Lebensgefahr sind, da diese gefundene Anweisung, die Direktive q78q99q, die Beschaffung provirulenter Keime aus der Welthöhle und die Geheimhaltung dieses Vorganges noch über das Leben der Besatzungsmitglieder der Expedition stellt.

Es gelingt jedoch nicht, zu ermitteln, wer von der Besatzung diesen Auftrag ausführen soll. Der Erzähler und seine Kollegin wissen auch nicht, ob ihre Kenntnisnahme dieser Direktive entdeckt worden ist. - Außer dieser Kollegin war bei der Entdeckung der Direktive nur die Frau des Erzählers und ein weiterer ehemaliger Kollege anwesend.

Während der ersten Besprechung, die die gesamte nautische und wissenschaftliche Besatzung der CHARMION vereinigt, verplappert sich die Frau des Erzählers vor aller Ohren. Wenig später verliert sie auf einer für die gesamte Besatzung anberaumten Excursion zu einem der in der Region tätigen Geologencamps unter merkwürdigen und ungeklärten Umständen ihr Leben. Der Erzähler tritt die Reise deshalb als Witwer an.

Die Expedition beginnt. Wie naheliegend zu erwarten, werden im Nord-Minch über den vermuteten unterseeischen Höhlen die ersten seismischen Unterwassersprengungen gemacht. Gleichzeitig hat die gesamte Besatzung Gelegenheit, sich in die Bedienung des Bootes, der Meßgeräte und der Bordcomputer einzuarbeiten.

Schon einer der ersten Versuche löst einen unterseeischen Erdrutsch aus. Eine Schlucht auf dem Meeresgrund wird weitgehend freigelegt. Die Größe dieser Schlucht ermöglicht es, mit dem ganzen U-Boot dort einzufahren. Genau das wird nach einigen Stunden, fast eher einem spontanen Impuls denn kühler Überlegung folgend, getan.

Auf einer der ersten Nachtwachen in diesen Höhlen passiert dem Erzähler ein Mißgeschick: Er löst unabsichtlich, unter tatkräftiger Mithilfe eines weiblichen Besatzungsmitgliedes, die vorgeblich nicht schlafen kann und ihm in der Zentrale eine zunehmend 'aktive' Gesellschaft leistet, eines der seismischen Klein-Torpedos aus. Der Erzähler, dieses Mädchen und das Torpedo kommen gleichzeitig - das Torpedo hat dabei jedoch den meisten Erfolg, indem es einen Felssturz auslöst, der dem Boot den Rückweg an die Meeresoberfläche verlegt.

Boot und Besatzung sind wohlauf, aber der Rückweg in die Außenwelt ist abgeschnitten. Es bleibt ihnen jetzt nichts anderes übrig, als die Höhlen, in denen sie sich jetzt befinden, zu erforschen, so, wie sie es ohnehin vorhatten.

In diese Zeit fallen die ersten, teilweise gefährlichen Vorfälle, bei denen die CHARMION der Vernichtung nur knapp entgeht. Diese Vorfälle legen den Verdacht nahe, daß einer an Bord gelegentlich Sabotage übt. Wer es ist, und welche Absicht dahinterstecken könnte, das ist dem Erzähler nur zu klar. Der allgemeine Verdacht der übrigen Besatzung fällt aber auch auf den Erzähler selbst, da dieser in seinem Roman seinerzeit die feste Absicht geäußert hat, die Welthöhle vor Entdeckung durch die zivilisierte Welt zu schützen (Das ist auch der Grund, warum er nicht die Leitung dieser Expedition hat, sondern nur in beratender Funktion und mit sehr beschränkten Kompetenzen teilnimmt).

Es gelingt keinerlei Aufklärung dieser Vorfälle, und formulierte Anschuldigungen bleiben, atmosphärevergiftend, im Raume stehen.

Diese Höhlenketten erstrecken sich bis in große Tiefen. Durch langwieriges Kreuzfahren und rechnergestütztes Kartographieren dieser Höhlen hofft man, einen Weg hinaus zu finden. Dabei müssen sukzessive immer tiefere Lagen dieser Höhlen befahren werden - weit unter der Werftgarantie des U-Bootes. Allerdings können diese Höhlen ja keine direkte Verbindung mit den Meeren der Welthöhle haben - das Gesetz der kommunizierenden Röhren würde das verbieten.

Dafür ist die bloße Existenz dieser Höhlenketten für diejenigen Besatzungsmitglieder, die bis jetzt noch daran gezweifelt haben, Indiz genug, daß der Roman des Erzählers auf Tatsachen beruht.

(* Von hier an stimmt es nicht mehr, die Geschichte hat sich völlig anders entwickelt! *)

Sie kreuzen lange Tage. Die Aussicht, einen Weg zurück oder sonst irgendwohin zu finden, ist praktisch schon Null. Dann allerdings geraten sie plötzlich in heftige Druckschankungen und Strömungen, die das Boot durch noch nicht befahrene Kanäle reißen. Die Besatzung und das Boot ist den Vorgängen völlig ausgeliefert. Nur der großen Stabilität des Bootes ist es zu verdanken, daß es nicht mechanisch zerstört wird. Allerdings werden viele Besatzungsmitglieder durch die heftigen Bewegungen des Bootes verletzt.

Nach endlosen Minuten kommt das Boot wieder in ruhigeres Gewässer. Als die Turbulenzen soweit abgeflaut ist, daß wieder manöveriert werden kann, findet man sich immer noch in ausgedehnten Höhlen wieder, die nach wie vor völlig unter Wasser sind. Wie weit das Boot von dem Strom getragen wurde, und was eigentlich genau passiert ist, läßt sich nicht genau sagen.

Nach den notwendigsten Reparaturen und der medizinischen Erstversorgung der Verletzten beginnt das Spiel von neuen: Erforschen der Höhlen, in denen man sich nun befindet.

Da die Wassertemperatur nun plötzlich in den Dreißigern ist, da es sich um Süßwasser mit hohem CO2 Gehalt handelt, und da der Druck um viele hundert Bar gefallen ist, ohne daß das Trägheitsnavigationssystem eine entsprechende Tiefenreduktion festgestellt hat, vermutet man, daß man auf das Niveau des Meeres in der Welthöhle hinuntertransportiert wurde.

Der Mechanismus war möglicherweise wieder ein Wippstein-Mechanismus, ähnlich dem, der den Erzähler seinerzeit den Ausweg aus der Welthöhle im Loch Ness ermöglicht hat. Als treibende Kraft des ganzen Vorganges kann eine Kohlensäureexplosionen vermutet werden, von denen der Erzähler schon während seines ersten Aufenthaltes in der Welthöhle erfahren hat. All das bleibt natürlich Spekulation, und weitere Einzelheiten sind auch nicht feststellbar.

Das Boot kreuzt tagelang. Diese Unterwassertunnel scheinen nach wie vor endlos und verworren. Nur allmählich findet die rechnergestützte Trägheitsnavigation zu einem räumlichen Bild dieses Tunnelsystems. Damit gelingt es, gezielt die möglichen Wege des Verlassens dieser Tunnel zu erraten. Schließlich wird einer dieser Wege tatsächlich gefunden.

Aus der Tiefe eines Meeres tauchen sie auf. Luft- und Lichtanalyse, der Atmosphärendruck von 4 Bar und der persönliche Augenschein der Besatzung, als die Luken aufgemacht werden können, verraten: Sie schwimmen tatsächlich auf einem Meer in der Welthöhle!


Buch 2: Kerker in Grom


Das weitere Vorgehen wird besprochen. Die überwiegende Mehrheit ist dafür, nichts zu unternehmen, wozu das U-Boot für längere Zeit verlassen werden müßte. Das liegt natürlich an den Klimaanlagen des Bootes und an der schwülen Hitze in der Welthöhle, die unerträglich ist, wenn man eine echte Alternative hat.

Zunächst kreuzt man, um die Umgebung geographisch aufzunehmen. Der Erzähler vermutet, daß man sich erstens im oder nahe beim 'Donnernden Meer' befindet, wegen der gerade erlebten Kohlensäureexplosion, und daß die 'Säulengabelinsel' ja nicht allzuweit entfernt sein kann. Während man diese sucht, gibt es erste interessante Begegnungen mit der einheimischen Tierwelt.

Die Säulengabelinsel wird gefunden. Die Vegetation ist unversehrt, was den Schluß nahelegt, daß auch diese Kohlensäureexplosion, wenn sie sich bis hier ausgewirkt hat, im Rahmen der üblichen Vorgänge in der Welthöhle lag.

(Allerdings kann man nicht feststellen, ob der CO2-Gehalt, der hier, in der Welthöhle selbst, sehr hoch wenn auch noch nicht toxisch ist, sich von dem vor zwei Jahren unterscheidet, weil der Erzähler damals ja keine Messungen gemacht hat.)

Es ist etwas mehr als zwei Jahre her, daß der Erzähler von der Säulengabelinsel zurück zur Erdoberfläche aufgestiegen ist. Er vermutet deshalb, daß sowohl die Gruppe um Osont als auch die sie verfolgenden Granitbeißerinnen sich nicht mehr auf der Insel aufhalten. Ob allerdings das Volk der Sachinor die damaligen Ereignisse unbeschadet überlebt hat, entzieht sich seiner Kenntnis.

Sie umrunden die Insel, um Lebenszeichen zu entdecken. Sie finden nichts - keine Gebäude und keine Schiffe. Man entschließt, daß der Erzähler mit einigen Leuten in der Bucht an der Südseite an Land gehen soll, um das Dorf Rubald zu erreichen. Es handelt sich um dieselbe Bucht, in der auch vor zwei Jahren der Erzähler und seine Frau die Säulengabelinsel nach der Zerstörung ihres Saurierfängers betreten haben. Das U-Boot bleibt solange in der Bucht liegen, um ihre Rückkehr zu erwarten.

Die Urwaldpfade nach Rubald sind so überwachsen, daß sie fast nicht mehr begehbar sind. Der Dorfplatz von Rubald ist nur noch eine Lichtung, die langsam zuwächst. Der Erzähler kommt zu der Ansicht, daß die damaligen Ereignisse das Volk der Sachinor ausgelöscht haben, oder daß sie vielleicht deportiert worden sind. Deshalb werden auch die höher gelegenen Dörfer nicht mehr aufgesucht, weil dies ja auch mit einigen Kletteraufwand verbunden wäre. Betrübt kehrt er mit der Gruppe zurück.

(Ob die Sachinor tatsächlich noch in den höhergelegenen, säulennahen Dörfern leben, was im Prinzip möglich ist, bleibt offen.)

An Bord des Bootes erfahren sie, daß draußen auf dem Meer ein großes besegeltes Floß aufgetaucht ist, wahrscheinlich ein Saurierfänger. Der großen Entfernung wegen ist es unwahrscheinlich, daß man von dort das U-Boot entdeckt haben könnte, zumal, da es in dieser schützenden Bucht liegt. Die Entdeckung möchte man auch weiterhin vermeiden. Das Boot wird soweit abgesenkt, daß nur noch ein kleiner Teil des Decks aus dem Wasser ragt, so daß eine Beobachtung des Schiffes da draußen möglich ist. Dabei kommt es auf dem Boden der Bucht zu liegen. Außerdem wird der Schiffscomputer veranlaßt, die technischen Einrichtungen des Schiffes leise zu betreiben.

Da geschieht eine Überraschung: Das U-Boot macht von sich aus die Waffen scharf!

Ein plausibler Grund ist schnell gefunden: Das Boot wurde ja eigentlich für militärische Zwecke hergestellt. Erst, als es praktisch fertig war, erfolgte die überhastete Umrüstung für diese Expedition. Große Teile der Software sind immer noch auf militärische Aufgaben zugeschnitten. Und genau diese Software hat die aktuelle Situation - Schleichmodus und Aufliegen auf dem Grund - als militärisch relevant eingestuft.

Glücklicherweise sind ja genügend Informatiker an Bord, und man macht sich sofort daran, das Problem zu analysieren. Dazu müssen allerdings Rechner heruntergefahren werden, was eine momentane Manöverierunfähigkeit des U-Bootes bedingt. Außerdem gibt es Probleme bei der Reaktorsteuerung und mit der Klimaanlage - eben mit allem, was rechnergesteuert ist. Und das ist auf diesem Boot fast alles.

Die Analyse der Software gibt umfassende Hinweise auf die Art und Menge der Waffen, die an Bord sind. Es stellt sich heraus, daß einige der Klein-Torpedos nicht nur Kameras und Sensoren, sondern auch Sprengköpfe mit Nervengiften und anderen biologischen Kampfstoffen tragen (*2*). (Für welche Art von Einsätzen dieses Boot mit einer solchen Bewaffnung eigentlich einmal gebaut wurde, bleibt unklar, aber es scheint, daß diese Art der Bewaffnung kaum von den Genfer Konventionen gebilligt werden würde.) Weiterhin scheint es, daß dieses U-Boot daraufhin angelegt wurde, eventuell sogar militärisch tätig werden zu können, wenn die Besatzung nicht mehr handlungsfähig ist.

Die immense Größe der an Bord eingesetzten Software macht eine Schadenseingrenzung praktisch unmöglich. Man muß alle Rechner wieder in Betrieb nehmen, um die volle Verfügbarkeit über das Boot zu erhalten. Insbesondere ist es nötig, den 'Schleichmodus' wieder aufzuheben, um die Bordrechner davon zu überzeugen, daß keine militärisch relevante Situation vorliegt.

Inzwischen ist der Saurierfänger nähergekommen. Er kreuzt vor der Küste, vermutlich geht es um die routinemäßige Jagd auf Fischsaurier. Es ist für das Boot nicht mehr möglich, unbemerkt die Bucht zu verlassen, denn erst vor der Bucht ist das Wasser tief genug, um vollständig unterzutauchen.

Dem Erzähler ist jetzt klar, daß er jetzt schon daran mitgearbeitet hat, sehr viel von dem zu tun, was er eigentlich unter allen Umständen vermeiden wollte: Nicht nur die Anwesenheit einer technisch ausgerüsteten Expedition in der Welthöhle, sondern sogar schon die Anwesenheit modernster Waffentechnik zeigt ihm, wie sehr die Dinge sich von seinen eigentlichen Intentionen fortentwickelt haben. Dazu kommt das Bewußtsein, daß sich an Bord jemand befindet, der offiziell gebilligte und offiziell veranlasste kriminelle und völkerrechtswidrige Absichten verfolgt.

Der Nervenkrieg dauert lange, da der Saurierfänger sehr ausgiebig vor der Küste tätig ist. Der Konsens, keinen Kontakt zu den Menschen auf diesem Schiff aufzunehmen und sich auch nicht von ihnen bemerken zu lassen dauert glücklicherweise an. Als allerdings der Saurierfänger sich auf einem Schlag sehr weit von der Bucht entfernt, nutzt man die Gelegenheit, diese zu verlassen.

Wenig später findet man unter Wasser das, was der Saurierfänger sucht: Einen großen Fischsaurier. Man will diesem ausweichen (trotz Protesten der Paläobiologen an Bord), auch wenn von dem Tier für das Boot keine echte Gefahr ausgeht. Aber das Tier hat Interesse an dem Boot gefunden und läßt sich nicht abschütteln. Es ist eine momentane Fehleinscheidung des Steuermannes, das Boot den Avancen dieses Tieres durch Auftauchen und nicht durch Tiefertauchen zu entziehen.

Als sie die Wasseroberfläche durchbrechen, sind sie nur wenige hundert Meter von dem Saurierfänger entfernt!

Sofort zeigt sich der Mut der Granitbeißerinnen. Obwohl das U-Boot für sie wie eine völlig unbekannte Saurierart aussehen muß, greift das Schiff an. Gleichzeitig ist es den tolpatschigen Zärtlichkeiten des Fischsauriers, der dem Boot immer noch folgt, ausgesetzt.

Wieder entscheidet der Bordrechner, daß eine Alarmsituation vorliegt und schlägt gezielte Maßnahmen vor. Er handelt auch und schießt auf den Saurierfänger.

Dieser wird bis zur Seeuntüchtigkeit zerstört. Man entscheidet sich, überlebende Granitbeißerinnen an Bord zu nehmen. Auf diese Weise hat man nämlich auch jemand an Bord, der den Weg nach Grom kennt.

Die überlebenden Granitbeißerinnen fügen sich ihrem Schicksal, weil sie erkennen, wer an Bord das Sagen hat. Es entwickelt sich sogar zunächst eine freundschaftliche Atmosphäre, und die Granitbeißerinnen lernen mehr und mehr über das U-Boot.

Der Erzähler versucht, herauszukriegen, ob bei der teilweise notwendigen medizinischen Betreuung der Granitbeißerinnen bereits versucht wird, von diesen Blutproben mit eventuellen provirulenten Keimen sicher zu stellen. Das gelingt jedoch nicht, da fast die ganze Besatzung irgendwie mit diesen Gästen an Bord zu tun hat.

Grom wird erreicht. Der Erzähler und die Besatzung sind von dem kulturellen Reichtum, den Bauwerken und den reichhaltigen sozialen Strukturen dieser Stadt überrascht, da sie eigentlich mit einem etwas mehr provinziellem Charakter dieser Stadt gerechnet haben (UBidEK - Prinzip). Deshalb verlassen auch große Teile der Besatzung auf Einladung der lokalen Authoritäten das Boot.

Auch diesmal kommt es, wie zu erwarten ist: Die Granitbeißerinnen überwältigen die Restbesatzung, bemächtigen sich des Bootes und entführen es, da sie inzwischen schon genug darüber gelernt haben, um dies gerade eben tun zu können. Die an Bord verbliebenen Besatzungsmitglieder werden zur Kooperation gezwungen.

Damit sitzen der Erzähler und einige seiner Getreuen in Grom fest. Und augenblicklich verändert sich der Tonfall ihnen gegenüber, da sie nun wehrlos sind. Sie sind praktisch Gefangene, wenn auch mit dem schon bekannten feinen Unterschied, daß zwar alle Menschen gleich, daß aber unter den Granitbeißerinnen die Frauen eben etwas gleicher als andere sind. Deshalb haben die weiblichen Besatzungsmitglieder immer noch mehr Handlungsmöglichkeiten als die männlichen.


Buch 3: Der Krieg der Meuterer


Natürlich werden Pläne geschmiedet, dieser Gefangenschaft zu entkommen, insbesondere auch deshalb, weil es mit der Zeit deutlich wird, daß es der Restbesatzung des U-Bootes offenbar nicht gelingt, wieder die Gewalt über das Boot zu bekommen. Das Boot bleibt verschollen und kann nicht mehr in einen Fluchtplan mit einbezogen werden.

Zu diesem Zeitpunkt erreichen immer wieder Nachrichten Grom, daß Nahrungsbeschaffungsschiffe verschwinden. Als der Erzähler davon hört, kann er sich einen Reim darauf machen:

Es ist im Laufe der letzten zwei Jahre den restlichen 1500 bis 1800 Gefangenen auf Casabones doch noch gelungen, die Gefängnisinsel zu verlassen. Sie leben jetzt offenbar das unorganisierte Freibeuterleben, das Osont mit seinen Leuten seinerzeit bereits angefangen hat. Da die Nachrichten von großen Mengen von Menschen und, noch schlimmer, von Männern spricht, entschließt sich der Rat der Siegelbewahrerinnen, eine Straf- und Disziplinierungsaktion in die betroffenen Gebiete zu entsenden.

Glücklicherweise ist in Grom ja nicht bekannt, welche Rolle der Erzähler seinerzeit bei den Ausbruchsvorgängen bei Casabones gespielt hat. Wegen der Personalknappheit für dieses Unternehmen werden auch der Erzähler und seine Getreuen zwangsweise eingeschifft.

Die Reise der Flotte geht ungefähr nach Süden. Die genauen Kurse sind natürlich andere als die vor zwei Jahren, wegen der meist stationären Windverhältnisse in der Welthöhle.

Natürlich stellt der Erzähler die ganze Zeit Überlegungen an, wie eine Flucht doch noch zu bewerkstelligen wäre. Auch die Idee, die Expedition der EG als Ganzes wegen ihrer Zielsetzung zu sabotieren, ist immer noch präsent, allerdings hat es ja bereits ohne Mitwirkung des Erzählers Abweichungen vom Expeditionsplan und Verluste gegeben. Und immer noch weiß der Erzähler nicht, an wen die Direktive q78q99q in dem Bordrechner gerichtet ist.

Die hervorragend ausgerüstete und wehrhafte Flotte Grom's gerät nach Erreichen des Operationsgebietes in Schwierigkeiten. Offenbar sind es tatsächlich jene Gefangenen aus Casabones, mit denen man es zu tun hat, aber aus irgendeinem Grunde haben diese gelernt, sehr effektiv und aus dem Verborgenen heraus zu kämpfen. Deshalb wird die Flotte mit ihren Besatzungen stark dezimiert, obwohl man den Gegner kaum zu Gesicht bekommt.

Der Erzähler nimmt an, daß die ehemaligen Gefangenen irgendwie unter kompetente Führung und Ausbildung geraten sind, aber diese Vermutung hat nur die Konsequenz, daß die Gefahr besteht, daß die Flotte Grom's aufgerieben wird. Dabei könnten der Erzähler und die restlichen Expeditionsmitglieder natürlich ums Leben kommen.

Als die Situation tatsächlich hoffnungslos wird, stößt die Restflotte auf das U-Boot. Es ist offenbar immer noch in der Gewalt der Granitbeißerinnen, und diese machen sich immer noch mit dem Boot vetraut - was mangels technischer Vorbildung und wegen der nicht cooperativen Software der Bordrechner natürlich ein langwieriger Prozeß ist. Das Boot ist nur zufällig auch in diesem Gebiet, aber es gibt jetzt die prinzipielle Möglichkeit, sich des Bootes wieder zu bemächtigen.

Diese Möglichkeit wird realisiert, als das Boot zwischen die Fronten gerät. Zum wiederholten Male stellt das Boot von sich aus den Verteidigungszustand her und greift in die Kämpfe zwischen der Flotte der Granitbeißerinnen und den Meuterern ein. Gleichzeitig gelingt es der Restbesatzung des Bootes, dasselbe wieder zu verlassen und sich mit dem Erzähler und den übrigen Expeditionsteilnehmern zu vereinigen. Gemeinsam nehmen sie nun die Flucht vor den Meuterern mit einem der letzten Schiffe der Flotte auf.

Zurück bleibt ein herrenloses, aber funktionsfähiges U-Boot, das auf unbegrenzte Zeit die Ökosphäre der Welthöhle bedrohen wird.


Buch 4: Die Tote Stadt


Dieses Zwischenspiel verschafft den Expeditionsmitgliedern den Vorsprung, den sie brauchen. Sie erreichen den Ankerplatz, an dem der Erzähler vor mehr als zwei Jahren das erste Mal den Saurierfänger betreten hat. Deshalb ist es naheliegend, jetzt zu versuchen, diese Welt über den bekannten Weg über das Höllentalplatt im Zugspitzgebiet wieder zu verlassen.

Sie werden jedoch weiter von Gruppen der Meuterer verfolgt, auch wenn es immer noch unklar ist, was diese sich davon versprechen. Es sieht auch so aus, als ob die Meuterer aufholen. Deshalb wird der Plan geboren, sich auf dem Weg nach oben in der schon bekannten Toten Stadt zu verstecken und abzuwarten, bis die Meuterer vorbei und später wieder abgezogen sind.

Das gelingt zwar, aber der Aufenthalt in der Toten Stadt ist an sich schon gefährlich genug. Es gibt schwere Verluste. Nur der Erzähler und einige seiner früheren Kollegen verlassen diesen Ort wieder lebendig. Dafür erhalten sie einige wenige weitere Hinweise über die Natur der Erbauer der Toten Städte und über die Geschichte der Welthöhle.

Während des weiteren Aufstieges der inzwischen stark zusammengeschmolzenen Gruppe wird durch einen Zufall die Identität desjenigen, der auf Geheiß der Direktive q78q99q die für biologische Kriegführung bestimmte Keime aus der Welthöhle beschaffen soll, verraten. Es kommt zu einer letzten, gefährlichen und verlustreichen Konfrontation. Nur der Erzähler und seine Kollegin überleben.

In einem weiteren, beschwerlichen Aufstieg verlassen sie die Welthöhle und erreichen das Höllentalplatt.

Dort oben herrscht ein Sauwetter, so daß es schon wieder nicht möglich ist, diesen Eingang zur Welthöhle genau zu lokalisieren. Abgesehen davon erreichen sie problemlos über Brett und Höllentalangerhütte die Zivilisation.

Das ganze Unternehmen ist bis jetzt im Geheimen abgelaufen. Es wird auch so bleiben, denn der Erzähler trifft naheliegende Maßnahmen:

Wenn er oder seine Kollegin zu Schaden kommen sollte, wird bekannt werden, daß es zum einen irgendwo auf der Welt ein U-Boot mit chemischen und biologischen Kampfstoffen gibt, daß jeder menschlichen Kontrolle entzogen ist, und daß zum zweiten die EG einen Versuch der Vorbereitung eines demographischen Krieges mit biologischen Mitteln gegen die Dritte Welt unternommen hat.

Als vorbereitende Illustration dieses Vorganges und flankierende Maßnahme seines Selbstschutzes beabsichtigt der Erzähler, auch über diese Expedition ein (dieses!) Buch zu verfassen und zunächst als reine Fiktion auf den Markt zu bringen.

So gelingt es, die ganze Angelegenheit so zu behandeln, daß der Erzähler, seine Kollegin und die Mitglieder des Projektes, die an der Expedition nicht selbst teilgenommen haben (wie zum Beispiel auch die Frau des Erzählers (s.u. Änderung: falls sie noch lebt)), vor weiteren Maßnahmen der Behörden sicher sind.

Das einzige faktische Ergebnis dieses Abenteuers ist nur das U-Boot, das in der Welthöhle geblieben ist und dort eine latente Bedrohung der Welthöhle und ihrer Bewohner bildet, und das Wissen um die Realität der Welthöhle in einigen, dem Erzähler unbekannten Köpfen.

Die Zukunftsaussichten der Biosphäre in der Welthöhle und ihrer Bewohner sind nun nicht mehr die besten, auch wenn sie für den Moment vor weiteren Kontakten mit unserer Zivilisation sicher sind.


© 1996 .. 1998 Josella Simone Playton 1998-07-28 19:59:59 MESZ
© 1996 .. 1998 Josella Simone Playton 1999-07-05 00:22:22 MESZ


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